Die Rettung der Erde


Die industrielle Zerstörung der Erde sehe ich als Folge der industriellen Profitorientierung. Industrielle Ausbeutung von Bodenschätzen hat zur Folge oder zum Inhalt die Zerstörung der natürlichen Gegebenheiten. Industrielle Nutzung bringt Zerstörung im großen Stil. Die Verwertung des Holzes aus einem Regenwald zerstört den Regenwald und damit das regionale Ökosystem. Ebenso bewirkt der Abbau von Bodenschätzen Erd-Zerstörung: Die Gewässer werden verschmutzt. Trinkwasserreservoire werden dezimiert und vernichtet.
Die „Weltgemeinschaft“ begegnet dieser etablierten Zerstörung mit moralischen Appellen. Moral kommt aber nicht gegen Profitverfahren an. Dies zeigt sich seit einiger Zeit in der Bundesrepublik Deutschland am Beispiel der PKW-Branche.
Die Kooperation von Politik und Autoindustrie orientiert sich an Profiten, also an dem Profit für die Industrie und an der Erhaltung von Arbeitsplätzen als Profit für die Politik – jedenfalls im Bereich des Handelns, d.i. in den Bereichen von Gesetzgebung (Legislative), Rechtsprechung (Judikative) und politischer Kontrolle (Exekutive) der Einhaltung von Gesetzen und Verstößen gegen Verordnungen. Im Bereich des Redens kann die Moral punkten. Sowohl Politiker als auch Autoindustrielle zeigen sich reumütig und entschuldigen sich bei der Bevölkerung für die Fehler in Konstruktion und Verkaufsversprechen. Hier zeigt sich, dass industrielles und politisches Handeln strikt getrennt ist von der Moral. Man kann sich einerseits entschuldigen, ohne andererseits Konsequenzen im Handeln zu ziehen. Statt sich in moralischen Sonntagsreden zu ergehen sollte man sich – der Erde zuliebe – mit dem Studium der kapitalistischen Verfahren befassen.
Dazu gehört als erstes die Einsicht, dass Kapitalismus eine Gegebenheit ist. Gemäß der alten Weisheit „Was ich
bekämpfe, mache ich stark.“ sollte man den Kampf gegen Kapitalismus aufgeben und seine Mechanismen studieren.
Und weiter mit einer alten Weisheit: „Nur was man liebt, kann man erkennen“, erweitert zu „Nur was man liebt, kann man verändern.“
Die Weltgemeinschaft versucht auf Klimakonferenzen die Erde zu retten. Das ist im Grunde eine moralische Kampagne. Sie bleibt so lange moralisch und damit erfolglos, so lange sie sich nicht die kapitalistischen Mechanismen zu eigen macht. Das heißt: Die Rettung der Erde muss der gleichen Profitorientierung folgen wir die Zerstörung der Erde. Es ist anzuerkennen, dass die Zerstörung der Erde ungeheuer große Profite gebracht hat. Da hat Moral keinen oder nur einen randständigen Platz. Also ist zu prüfen: Wie kann die Rettung der Erde ähnlich Profite erbringen wir die Zerstörung der Erde?
Zuvor noch ein Wort zu der Sinngebung von Absicht und Wirkung:
Es ist deutlich: Die industrielle Zerstörung der Erde hat viel Profit erbracht. Dem ist entgegenzuhalten: Aber das war doch nicht die Absicht, die Erde bei ihrer industriellen Ausbeutung zu zerstören. Ja, das stimmt. Die Zerstörung der Erde wurde nicht angestrebt, allerhöchstens als „Kollateralschaden“ in Kauf genommen. Aber es war die Wirkung. Es ist an der Zeit die Komplexität von Geschehen und Handlungen in den Blick zu nehmen. Die Wirkung gehört genauso zu einer Handlung wie die Absicht. Ich wage zu behaupten: Die Wirkung ist als Sinn einer Handlung bedeutsamer als die Absicht.
Ob mir aus guter oder aus böser Absicht ein Schaden zugefügt wurde, spielt für meinen Schaden und seine Folgen
keine Rolle. Vor Gericht und auf moralischer Ebene mag die Absicht in Betracht gezogen werden. Real ist sie für die
Tatsache und für die Höhe des Schadens völlig bedeutungslos. Der Sinn einer Handlung ist, die angestrebte Wirkung zu erzielen. Auch wenn die gewünschte Wirkung nicht erzielt worden ist: die Wirkung ist erfolgt; sie ist erreicht. Das Erreichen der – ungewünschten – Wirkung zu ignorieren oder gar zu leugnen, ist die Folge der Verabsolutierung der Absicht. Es braucht also für einen realistischen Blick auf die Wirklichkeit die Komplettierung der Handlungsschleife Absicht – Tat – Wirkung.
Wenn du die Welt retten willst, lass dir Rettungsaktionen einfallen, die Profit bringen. Ein erstes gelungenes Verfahren: Der Markt für CO2-Zertifikate. Dieser internationale „Markt für Verschmutzungsrechte“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Emissionsrechtehandel) ist als Instrument der Umweltpolitik gedacht. Er strebt also die Rettung der Erde mithilfe des Stopps des Klimawandels an. Anders gesagt: Das Ziel ist die Rettung der Erde mithilfe der Regulierung der Zerstörung der Erde.